Freitag, 16. Mai 2014

Gastbeitrag: Ziel Moskau

Ziel Moskau

Die USA wollen die Ukraine zu einem permanenten Krisengebiet unterhalb der Kriegsschwelle verwandeln. Rußland wird dadurch bedroht, russophobe osteuropäische Staaten paktieren mit Washington, und Berlin verliert in der Region an Einfluß

Albert Einstein soll gesagt haben: »Wenn ich nur eine Stunde hätte, um ein Problem zu lösen, würde ich die ersten 55 Minuten darauf verwenden, die richtigen Fragen zu stellen. Denn wenn ich erst einmal die richtigen Fragen formuliert habe, könnte ich das Problem in weniger als fünf Minuten lösen.« Bei der Krise in der Ukraine sind die meisten Menschen in einer ähnlichen Situation. Ihnen wird jedoch das Fragen nach den Gründen der Instabilität des Landes durch die »Qualitätsmedien« erschwert, die US- und NATO-Propaganda als Tatsachen verkaufen. So z.B. den angeblichen russischen Völkerrechtsbruch bei der Eingliederung der Krim. Eine Ausnahme ist der konservative Völkerrechtler Reinhard Merkel, der die juristische Seite des Vorgangs in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 7. April herausgearbeitet hat: »Hat Rußland die Krim annektiert? Nein. Waren das Referendum auf der Krim und deren Abspaltung von der Ukraine völkerrechtswidrig? Nein. Waren sie also rechtens? Nein; sie verstießen gegen die ukrainische Verfassung (aber das ist keine Frage des Völkerrechts). Hätte aber Rußland wegen dieser Verfassungswidrigkeit den Beitritt der Krim nicht ablehnen müssen? Nein; die ukrainische Verfassung bindet Rußland nicht.«

Inzwischen hat der »Jahrmarkt der Heuchelei« – wie Dmitri Peskow, Sprecher des russischen Präsidenten Wladimir Putin, die westlichen Beschuldigungen bezeichnet – Massenmorde an Zivilisten in der Ostukraine zur Folge. Die westlichen Moralapostel bleiben ungerührt. Ihre freudige Zustimmung zum Einsatz von gepanzerten Fahrzeugen, Kampfhubschraubern und -flugzeugen durch die prowestliche Putschregierung gegen friedliche Ansammlungen unbewaffneter Zivilisten sagt alles, ebenso ihr eisiges Schweigen zum Massenmord in Odessa, wo die neofaschistischen Täter die Freunde des Westens und die verbrannten und totgeschlagenen Opfer nur »prorussische Separatisten« sind (siehe jW-Schwerpunkt vom 5.5.2014).

Genug mit diesem Theater! Wie sieht es hinter den Kulissen aus? Welche strategischen Interessen haben die Hauptakteure dieses Konflikts?

Strategische Bedeutung …

Gerne wird die Ukraine im Westen als eines der »strategisch bedeutsamsten Territorien der Welt« bezeichnet. Das trifft nur aus der Sicht Rußlands zu, und auch dann nur im Rahmen seiner Defensivstrategie, aber nicht für offensive Welteroberungspläne, die westliche Kriegstreiber Moskau unterstellen. Laut dem privaten US-Nachrichtendienst Stratfor, dessen Mitarbeiter enge Kontakte zu ihren Kollegen in den Geheimdiensten wie Außenministerien der USA und anderer NATO-Länder pflegen, »hat die Ukraine für eine moderne Macht, die keine bösen Absichten gegen Rußland hegt, nur geringen strategischen Wert«. Für eine feindliche Macht stellt die Ukraine jedoch das Einfallstor in das Territorium Rußlands dar und ist somit eine tödliche Bedrohung.

»Wenn also die Deutschen keinen neuen Krieg gegen Rußland planen – und sie tun das nicht – hat die Ukraine wenig Bedeutung für Europa oder die Deutschen«, folgerte der Stratfor-Chef George Friedman in seiner Lageanalyse vom 11. Februar dieses Jahres. Und auf wirtschaftlichem Sektor sei die Ukraine wegen der Energietransportwege für Rußland und Rest­europa gleichermaßen wichtig, vorausgesetzt, beide kooperieren. Darüber hinaus würde eine stärkere Einbindung der Ukraine sowohl für Rußland als auch für Europa nur wirtschaftliche und finanzielle Belastungen bedeuten.

… der Ukraine für Rußland …

Nach der von den USA im Jahr 2004 angestifteten und finanzierten »Orangen Revolution« lief in der Ukraine nicht alles nach Washingtons Plänen. Der Kreml sah darin zu Recht einen unmittelbaren Angriff auf eigene strategische und wirtschaftliche Interessen. Deshalb bot er einerseits dem bankrotten Land günstige Sonderkonditionen und Kredite für russische Energielieferungen und drohte andererseits mit Liefereinstellung bei Nichtbezahlung. Das hinterließ mit der Zeit einen nachhaltigen Eindruck bei den antirussischen Regierungen in Kiew unter dem Präsidenten Wiktor Juschtschenko (2005–2010) und der Ministerpräsidentin Julia Timoschenko (2005 und 2007–2010). Diese machten schließlich aus der ökonomischen Notwendigkeit eine politische Tugend und fanden einen Modus vivendi mit dem Nachbarland – unter Berücksichtigung von dessen strategischen Interessen. Insbesondere ging es dabei um die Verhinderung der Stationierung von NATO- oder US-Raketen in der Ukraine – vor der russischen Haustür.

Zum Leidwesen Washingtons wurde Moskau damals von Berlin und Paris tatkräftig unterstützt. Diese übten einen mäßigenden Einfluß auf die russophoben Kräfte in Kiew aus. Zugleich blockierte Deutschland mit Frankreich resolut die US-Pläne zur Aufnahme der Ukraine in die NATO. Das ging so weit, daß sie bei dieser Frage auf den NATO-Gipfeltreffen 2008 in Bukarest und 2009 in Strasbourg auch vor einem Eklat mit Washington nicht zurückschreckten. Daraufhin wurde 2010 die NATO-Osterweiterung um Ukraine und Georgien auf dem Gipfel in Lissabon für unbestimmte Zeit vertagt. Bei dieser Entscheidung hat sicherlich auch die resolute russische Reaktion auf die brutale militärische Intervention des NATO-Aspiranten Georgien in Südossetien im Sommer 2008 geholfen, die in dem kurzen »Georgien-Krieg« eine erhebliche Verbesserung der Fähigkeiten der russischen Streitkräfte demonstrierte.

Zuletzt aber war es in der Ukraine die Enttäuschung über die spärliche westliche Hilfe, die bei den Wahlen im Jahr 2010 eine relativ Rußland-freundliche Regierung unter Präsident Wiktor Janukowitsch an die Macht brachte. Auch der Westen beanstandete diese Abstimmung damals nicht. Trotzdem wurde das neue Staatsoberhaupt jetzt mit Hilfe des Westens von einem von Neofaschisten angeführten Mob aus dem Amt gejagt. Diesen verfassungswidrigen Akt bejubelten Washington, Brüssel und Berlin gemeinsam.

… für die USA…

Die Geschichte der weltweiten US-Militärinterventionen seit Beginn des 21. Jahrhunderts stellt eine lange Kette von kostspieligen militärischen und politischen Niederlagen dar. Die Lektion daraus ist: Washington kann zwar ganze Länder zerstören und Teile der Bevölkerung töten oder vertreiben. Der Hegemon ist aber unfähig, diese Länder zu befrieden und ihnen sein politisches System aufzudrücken. Das hat dazu beigetragen, daß sich die Stimmung der US-Bürger gedreht hat. Derzeit lehnen fast zwei Drittel von ihnen jegliche militärische Intervention im Ausland ab – auch in der Ukraine. Weniger als ein Fünftel ist dafür. Mit Kriegsgeschrei sollten also bei den bevorstehenden Wahlen keine Stimmen zu gewinnen sein.

Derweil hinterfragen vor dem Hintergrund des anhaltenden ökonomischen Siechtums der Supermacht deren Vasallen weltweit die Entschlossenheit Washingtons, seine Interessen weiterhin militärisch durchzusetzen. Von dieser bisherigen Praxis hängt die Herrschaft und nicht selten auch das Leben dieser US-freundlichen Machthaber ab. Zugleich sorgt sich Washington wegen der zunehmenden globalen Abkehr vom Dollar als Weltwährungsreserve. Das ist der Hauptpfeiler, auf dem die hegemoniale Macht der USA beruht. Zu Beginn der Krise im Jahr 2007 bestanden noch fast 60 Prozent der weltweiten Währungsreserven aus Dollar, heute ist es nur noch knapp ein Drittel.

Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen ist es Moskau in Europa und im Nahen Osten gelungen, seine Karten erfolgreich auszuspielen. Insbesondere in Bezug auf Iran und Syrien durchkreuzte Rußland, in der Regel unterstützt von China und den anderen BRICS-Staaten, die Hegemonialpläne der USA. Daher wurde der »Unruhestifter« vom Establishment der selbsternannten US-»Ausnahmenation« mehr als zuvor schon als der alte Feind wahrgenommen. Um seinen Status als Hegemon zu bekräftigen, sollte Washington das Land bestrafen und in die Schranken verweisen. Zu diesem Zweck bot sich die Möglichkeit einer erneuten Destabilisierung der Ukraine als ideales Instrument an. Das eröffnete Washington außerdem die Chance, Rußland aus seiner für die Flotte strategisch bedeutsamen Position auf der Krim zu vertreiben.

Eine direkte militärische Intervention der USA in der Ukraine und damit ein Zusammenstoß mit Moskau ist dagegen unwahrscheinlich, wenn auch eine irrationale Zuspitzung der Gegensätze nicht vollkommen ausgeschlossen werden kann. Laut Stratfor scheint derzeit in den USA noch ein Konsens zu herrschen, auch in den anderen Ländern der ehemaligen Sowjetunion nicht militärisch einzugreifen. Rußland ist zwar keine Weltmacht und seine Streitkräfte haben im Vergleich zu denen der USA viele Schwächen, aber es ist mit Abstand das stärkste Land in der Region und auch in der Lage, diese Macht in den ehemaligen Sowjetrepubliken zu demonstrieren, wie der Krieg mit Georgien gezeigt hat.

Auch das US-Militär hat inzwischen viele Schwächen. Mehr als ein Jahrzehnt mit Feldzügen gegen die islamische Welt ist nicht spurlos an ihm vorbeigegangen, und man ist auf einen konventionellen Krieg, wie er gegen Rußland geführt werden müßte, nicht vorbereitet. Zugleich ist die politische Struktur der NATO-Allianz ausgefranst, und die Verbündeten sind für ein US-militärisches Abenteuer gegen Rußland nicht zu gewinnen. Das einzige, was daher im Moment zählt, ist die Bündelung der Kräfte vor Ort. Einer direkten Konfrontation ziehen die USA daher die mit minimalem Risiko verbundene Strategie der prowestlichen Regimewechsel vom Typ der Rosen- oder der Orangenrevolution entlang der russischen Grenzen vor. Denn: Je näher ein Konflikt zwischen den USA und Rußland vor Moskaus Haustür stattfindet, z.B. in der Ukraine, desto größer ist der militärische Vorteil Moskaus, allein schon aus logistischen Gründen.

… und für Deutschland

Anläßlich der Münchener »Sicherheitskonferenz« Anfang des Jahres machten vor internationalem Publikum Bundespräsident Joachim Gauck, Außenminister Frank-Walter Steinmeier und Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen eine Verschiebung der deutschen Sicherheitspolitik deutlich. Sie betonten den Willen der großen Koalition, Deutschlands Durchsetzungsvermögen in der Welt zu stärken, wenn nötig auch mit militärischen Mitteln. Diese Erklärung kam zu einem Zeitpunkt, zu dem sich Berlin bereits seit Monaten mit Unterstützung Frankreichs und der EU in Brüssel auf unverschämteste Weise in die Innenpolitik der Ukraine eingemischt hatte. Mit einem deutsch-ukrainischen Exboxer, der von der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung politisch hochgepäppelt und von der Bundeskanzlerin und ihrem Außenminister hofiert wurde, glaubte man sogar, den nächsten Präsidenten in Kiew ins Amt heben zu können.

Völlig unverständlich war für die meisten Beobachter jedoch, warum die Bundesregierung bereit war, mit ihrem dreisten Auftreten in Kiew nicht nur die manifesten Interessen der deutschen Industrie in Rußland und die eigene Energieversorgung zu gefährden, sondern auch gegen ihre politischen Interessen zu handeln. Wegen der vielversprechenden wirtschaftlichen und politischen Vorteile einer engeren Zusammenarbeit mit dem Kreml hatte sich nämlich Berlin gemeinsam mit Paris seit Jahren innerhalb der EU um eine strategische Partnerschaft mit Rußland bemüht. Diese Pläne waren jedoch immer wieder von den russophoben Staaten des »neuen Europas« mit Unterstützung der USA blockiert worden. Nun schien es plötzlich, als ob Berlin bereit sei, sich wegen der wirtschaftlich maroden und überschuldeten Ukraine dauerhaft mit Rußland zu überwerfen, obwohl es in dem Land weder für die deutsche Wirtschaft noch für die der EU etwas zu gewinnen gibt. Was war da geschehen?

Dieser Vorgang war anfangs auch für Stratfor-Chef Friedman unverständlich. In seiner Lage­analyse wundert er sich, daß Deutschland als »De-facto-Anführer der Europäischen Union« sich mit viel Aufwand in der Ukraine gegen Rußland eingemischt hat, ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, »in dem sich das langsame Scheitern des europäischen Projekts abzeichnet, Südeuropa unter enorm hohen Schulden und Arbeitslosenquoten leidet, in Osteuropa die Unsicherheit über den Sinn und die Kosten der Beteiligung am europäischen Bankensystem und an der Währungsunion wächst und die Kluft zwischen Frankreich und Deutschland sich ständig weiter vertieft«. Vor diesem Hintergrund ließe sich Berlins Ukraine-Politik und die der EU nur noch »sehr schwer ergründen«, so Friedman am 11. Februar.

US-Pläne für neue Allianz

Anfang Februar wurde durch ein Handygespräch der Staatssekretärin im US-Außenministerium, Victoria Nuland, der Nebel etwas gelichtet. Es wurde deutlich, daß nicht Deutschland und die EU, wohl aber die USA von Anfang an hinter der Krise in der Ukraine steckten. Mit ihrem »Fuck the EU« unterstrich Nuland nicht nur ihre Verachtung gegenüber der angeblichen Politik der Schwäche Berlins und Brüssels, sondern sie gab auch zu erkennen, in welche Richtung die strategischen Überlegungen der Amerikaner gingen. Dies geschah, als die Europäer angesichts der gefährlichen Zuspitzung der Krise in Kiew sich zu größerer Vorsicht und Mäßigung entschlossen hatten. Dazu gehörte auch, daß Rußland gleichberechtigt in die Lösung der Krise eingebunden werden sollte. Das wiederum widersprach den US-Plänen.

Bereits zwölf Stunden nachdem das Abkommen zwischen Außenminister Steinmeier, seinem französischen Amtskollegen Laurent Fabius, dem polnischen, Radoslaw Sikorski, und dem Vertreter des ukrainischen Präsidenten Janukowitsch sowie dem Abgesandten des russischen Präsidenten, Wladimir Lukin, in Kiew ausgehandelt worden war, hatten die USA mit Hilfe ihrer gewaltbereiten neofaschistischen Sturmtruppen den rechtmäßigen Präsidenten davongejagt und in ihrem Sinne »Nägel mit Köpfen« gemacht. Seitdem bestimmt Washington, wo es in der Ukraine langgeht. Berlin mit seiner Marionette Klitschko und Brüssel sind marginalisiert. Die amerikanischen Schachfiguren, wie »Ministerpräsident« Arseni Jazenjuk, sind an den Schalthebeln der Macht. Dort werden sie von Hunderten CIA-Agenten und sonstigen US-Spezialisten im weiteren militärischen Vorgehen im Osten des Landes beraten, wo große Teile der Bevölkerung mehr Autonomie verlangen und die Putschregierung in Kiew nicht anerkannt wird.

Die in den letzten Tagen und Wochen wiederholten deutschen und europäischen diplomatischen Vorstöße zur Entschärfung des Konflikts, wenigstens mit den Aufständischen im Osten über eine Föderalisierung der Ukraine zu verhandeln – eine Forderung, die auch von Moskau gestellt wird –, sind bei den Amerikanern und ihren Befehlsausführern in Kiew auf taube Ohren gestoßen. Der Grund: Eine Entschärfung oder Lösung des Konflikts liegt nicht im Interesse der USA. Vielmehr hat Washington dank der von der EU mitinitiierten Destabilisierung der Ukraine eine ideale Gelegenheit gefunden, Rußland zu bestrafen und darüber hinaus auch langfristig vor der Haustür des Landes einen Krisenherd zu unterhalten, den die US-Administration nach Belieben befeuern kann, falls sich Moskau in anderen Teilen der Welt ihren Plänen querstellen sollte.

NATO-Staaten nicht zuverlässig

Während einschlägige Kommentare aus Washington voller Häme deutlich machen, daß die Krise in der Ukraine eine Retourkutsche für Moskaus Verhalten in Syrien ist, gehen die strategischen Überlegungen des US-Establishments viel weiter. Jetzt, wo die USA in der Ukraine mehr als nur einen Fuß in der Tür haben, glauben sie, nicht nur Rußland gefügig machen, sondern auch den Einfluß des »alten Europas«, insbesondere den von Deutschland in Osteuropa, untergraben zu können. Zugleich werden Pläne diskutiert, »parallel zur weitgehend unnütz gewordenen NATO«, so das Stratfor-Papier, eine neue, ebenfalls von den USA angeführte Allianz entlang der russischen Grenzen von Estland über Belorus, Ukraine und Teilen des östlichen Mitteleuropas bis nach Zentralasien zu schaffen. »Das Problem ist, daß die NATO keine funktionierende Allianz mehr ist. Sie wurde im Kalten Krieg entwickelt, um eine weit im Westen liegende Grenze zu verteidigen, die heute weit im Osten verläuft. Noch wichtiger war der Konsens aller Mitglieder, daß die Sowjetunion eine existentielle Bedrohung für Westeuropa war«, erklärt Stratfor-Chef Friedman und fährt fort: »Dieser Konsens ist nicht mehr da. Unterschiedliche Länder haben unterschiedliche Auffassungen von Rußland und andere Sorgen. Für sie wäre eine Wiederholung des Kalten Krieges, selbst angesichts der russischen Aktionen in der Ukraine, viel schlimmer als eine Anpassung an Rußland. Darüber hinaus hat das Ende des Kalten Krieges zu einem massiven Rückgang der militärischen Kräfte in Europa geführt. Ohne eine massive und schnelle Aufrüstung fehlt der NATO einfach die Kraft. Wegen der Finanzkrise und aus anderen Gründen wird es jedoch zu keiner Aufrüstung kommen. Außerdem erfordert die NATO Einstimmigkeit im Handeln, und diese ist einfach nicht mehr da.«

Die Staaten entlang der russischen West- und Südgrenze dagegen haben laut Stratfor »ein primäres Interesse, sich russischen Machtansprüchen zu widersetzen«. Dagegen sei der »Rest Europas nicht in Gefahr«, und diese Länder seien auch »nicht bereit, finanzielle und militärische Opfer für die Lösung eines Problems zu bringen, von dem sie glauben, daß man ohne Risiko damit leben könne. Deshalb müsse jede amerikanische Strategie zur Schaffung neuer Strukturen an der russischen Peripherie »die NATO umgehen«. In dieser Region müsse eine neue, von den USA geführte Allianz entstehen, deren Mitglieder – im Unterschied zur NATO – »kein Vetorecht haben«.

Osteuropas Russophobie

Die Europäische Union hat ihren Glanz und somit ihre Anziehungskraft verloren. Bei der Lösung der strukturellen Probleme der Euro-Zone ist man keinen Schritt weiter. Für die schwächeren Länder bedeutet die Mitgliedschaft zunehmend Austerität, hohe Arbeits- und Perspektivlosigkeit für die Massen. Dennoch haben die tonangebenden Kräfte in Deutschland und Frankreich die Träume von ihrer Führerschaft eines wirtschaftlich und politisch geeinten Europas von 500 Millionen Menschen längst nicht aufgegeben. Denn nur so hoffen sie, die seit Jahren beschworene Vision verwirklichen zu können, mit den USA in globalen Angelegenheiten »auf Augenhöhe« umzugehen. Aber auch das wäre ohne gute Beziehungen zu Moskau kaum möglich.

Allerdings wächst die Gefahr, daß das russophobe neue Bürgertum der osteuropäischen Mitgliedsstaaten die Wunschträume der Berliner EU-Anführer – wie schon bei der angestrebten strategischen EU-Partnerschaft mit Rußland – erneut durchkreuzt. Insbesondere im sicherheitspolitischen Bereich liebäugeln die Staaten des »neuen Europas« mit stärkeren bilateralen Beziehungen zu den USA. Sie glauben nämlich nicht, daß die »fett und bequem gewordenen Westeuropäer« zur Verteidigung der Interessen der Osteuropäer einen Konflikt mit Rußland wagen, wohl aber, daß sie notfalls in der NATO ihr Veto einlegen würden.

Den Amerikanern aber trauen sie eine robuste und offensive Vertretung ihrer nationalistischen und russophoben Interessen gegenüber Moskau zu. Das wurde z.B. durch das polnisch-amerikanische Zusammenspiel zur Zurückdrängung des russischen Einflusses in der Ukraine demonstriert. Dazu gehört auch, daß laut US-Staatssekretärin Nuland sich Washington die Destablisierung der Ukraine bereits fünf Milliarden Dollar hat kosten lassen. Dieses Zusammenwirken von Washington und Osteuropa kommt den US-Plänen für eine neue Allianz »an der NATO vorbei« sehr entgegen, und die »alten Europäer« haben gute Gründe, deshalb beunruhigt zu sein.

Beispielhaft für die Position der Osteuropäer war die Warnung des polnischen Präsidenten Bronislaw Komorowski am 10. Mai 2014, der von Deutschland eine entschiedenere Haltung gegenüber Rußland forderte. Sein Land wünsche sich von der Bundesregierung »im Konflikt (in der Ukraine; R. R.) mehr Entschlossenheit«. Er habe »wenig Verständnis für die Art, wie manche in Deutschland heute auf Rußland schauen«. Und es folgte die versteckt Drohung: »Es entsteht der Verdacht, daß manche Politiker in Deutschland einen Weg in der Außenpolitik suchen, der für uns Polen schwer zu akzeptieren ist.« Warschaus ressentimentgesteuerte Außenpolitik wird von nicht überwundenen historischen Traumata bestimmt. Sie steuert geradewegs in einen neuen kalten Krieg. Der wäre für Warschau sogar recht profitabel, denn er würde vor allem dem Frontstaat Polen kräftig politische und wirtschaftliche Münze einspielen.

Berlin und Paris befinden sich dagegen in der Zwickmühle. Einerseits wollen sie ihre guten Beziehungen zu Rußland nicht aufs Spiel setzen, andererseits drohen ihre Ambitionen, als Anführer eines geeinten Europas anerkannt zu werden, zu scheitern, wenn sie nicht resolut genug gegen Moskau vorgehen, um die EU-Osteuropäer zufriedenzustellen. Bisher haben sie einen Spagat versucht: Scharfe politische Rhetorik gegen Rußland einerseits, Sanktionen, die niemandem wehtun, andererseits. Aber diese Politik ist am Ende. Die Osteuropäer haben sie durchschaut und verlangen »mehr Entschlossenheit«, wie Komorowski sich ausdrückt.

Rolle der BRD marginalisiert

Vor dem dargelegten Hintergrund erscheint das Handeln Deutschlands und Frankreichs in der Ukraine in einem anderen Licht. Erneut macht uns Stratfor-Chef Friedman darauf aufmerksam: Im Laufe der Jahre habe sich Deutschland immer weiter an Rußland angenähert, egal ob in wirtschaftlichen oder strategischen Fragen. Keiner der beiden Staaten habe sich »mit den US-Aggressionen im Nahen Osten und Südwestasien komfortabel gefühlt«. Beide Länder seien sich angesichts der europäischen Wirtschaftskrise einig, »die gemeinsamen Wirtschaftsbeziehungen zu vertiefen und den Einfluß der Vereinigten Staaten einzudämmen«. Daher sei die »Klitschko-Initiative« Berlins in der Ukraine, die den Unmut Rußlands herausforderte, einfach »verblüffend« gewesen. Sinn mache das Ganze erst, wenn die bereits erwähnte Erklärung von Gauck, Steinmeier und von der Leyen bei der Münchener »Sicherheitskonferenz« über eine stärkere und selbstbewußtere Rolle Deutschlands in der Welt ganz anders gemeint war, als sie gemeinhin interpretiert wurde.

»Gehört zu dem neuen Selbstbewußtsein der Deutschen etwa, daß sie jetzt planen, die Bemühungen der USA zu konterkarieren?« fragt der Stratfor-Chef. Mit anderen Worten: Wollten Berlin und die EU den US-Plänen in der Ukraine zuvorkommen und die von Washington geschürte und bezahlte Revolte durch eine einvernehmliche Lösung mit Rußland beenden? Die verächtliche Art, mit der die US-Staatssekretärin Nuland in ihrem Handygespräch den deutschen Präsidentschaftskandidaten für Kiew beiseite geschoben hat, deutet auf keine kooperative, wohl aber auf eine angespannte Konkurrenzsituation zwischen Berlin und Washington hin.

Inzwischen ist es Washington gelungen, die Rolle Deutschlands und der EU in der Ukraine zu marginalisieren. Selbst wenn Berlin stärker auf die Forderungen der Polen und anderen Osteuropäer nach mehr Konfrontation gegenüber Moskau eingehen wollte, um sie im von Deutschland zentrierten EU-Raum zu halten, mit der antirussischen Eskalationspolitik der Amerikaner könnte es nicht mithalten. Denn Washington sucht mit Rußland eine Konfrontation knapp unterhalb der Kriegsschwelle. Um dabei mitzumachen, ist trotz Kriegsgeschrei der »Qualitätsmedien« der innenpolitische Widerstand in Deutschland, Frankreich und dem Rest der EU zu groß.


Rainer Rupp schrieb zuletzt auf diesen Seiten am 10.1.2014 über die NSA-Spionage in der BRD. Viele seiner Bücher sind im jW-Shop erhältlich.

Donnerstag, 15. Mai 2014

Buchauszug: Ron Paul: Befreit die Welt von der US-Notenbank - Warum die Federal Reserve abgeschafft werden muss

Hiermit starte ich eine neue Rubrik in diesem Blog, nämlich den Buchauszug. Hierbei werde ich mit euch interessante Ausschnitte aus Büchern präsentiere, die ich gerade lese. Den Anfang macht Ron Paul, ein Arzt und Politiker, der elf Legislaturperioden lang Kongressabgeordneter im Bundesstaat Texas war mit seinem Buch Befreit die Welt von der US-Notenbank. Sein Wahlkampf hatte die Bildung der landesweiten End-the-Fed-Bewegung zur Folge, die vorwiegend bei jungen Leuten Anklang fand. Paul ist ein Verfechter soliden Geldes, persönlicher Freiheit, freier Märkte und des Friedens. Viel Spaß beim Reinschnuppern! Falls euch der Ausschnitt gefällt, dann kauft euch das Buch oder leiht es von mir aus.

Bildquelle



Zehntes Kapitel

Warum die Federal Reserve abgeschafft werden muss

Die Federal Reserve sollte abgeschafft werden, weil sie unmoralisch, verfassungswidrig und unbrauchbar ist, schlechtes Wirtschaften fördert und die Freiheit untergräbt. Ihr destruktives Wesen macht sie zu einem Werkzeug einer tyrannischen Regierung.

Von der Federal Reserve ist nichts Gutes zu erwarten. Sie ist der größte Besteuerer überhaupt. Den Wert des Dollars zu mindern, indem man die Geldmenge erhöht, bedeutet eine heimtückische, hinterhältige Steuer für die Armen und die Mittelschicht.

Die Geldpolitik der Federal Reserve hat uns in unsere heutige Lage gebracht - ein geradezu tragisches wirtschaftliches Schlamassel. Obwohl der Dollar einstweilen noch überlebt, haben Marktkräfte das in den vergangenen 38 Jahren aufgebaute internationale Finanzsystem in die Knie gezwungen. Der Fiat-Dollar-Reservestand [Anmerkung: Fiat bedeutet ungedeckt und bezieht sich auf die Tatsache, dass Papiergeld heute nicht mehr durch ein Gut wie etwa lange Zeit Gold, gedeckt wird und der Papierwährung eine Stabilität und auch Vertrauen seitens der Anleger gewährt], der sich seit dem Zusammenbruch von Bretton Woods im Jahr 1971 entwickelt hat, ist an sein Ende gekommen. Das ist die Wahrheit hinter der heutigen Wirtschaftskrise.

...

Eindeutig trägt die Fed die Schuld; sie sollte deshalb abgeschafft werden. Bisher hat ihr der Kongress jedoch als wichtigster Instanz zentraler Wirtschaftsplanung nur noch mehr Vollmachten eingeräumt. Punkt fünf in  Karl Marx' Manifest der Kommunistischen Partei lautet:


"Zentralisation des Kredits in den Händen des Staats durch eine Nationalbank mit Staatskapital und ausschließlichem Monopol."

Das heißt nun nicht, dass jeder, der eine einflussreiche Zentralbank befürwortet, automatisch auch Kommunist ist. Es heißt vielmehr, dass für jeden, der eine autoritäre Herrschaft anstrebt, eine Zentralbank höchst nützlich ist. 

Eine Zentralbank ist ihrem Wesen nach etwas völlig anderes als ein Warengeldstandard. Ein Goldstandard braucht keine Behörde, die ihn verwaltet. 

...

Inflation und Wertminderung von Währungen gibt es schon seit langer Zeit. Bevor es moderne Zentralbanken gab, konnte ein König oder Tyrann mit monopolistischer Macht über das Geldsystem entscheiden und den Wert der Währung aus niederen Beweggründen schmälern. Oft genug geschah dies, um die Kosten für Kriege oder die Erweiterung eines Reiches zu decken.




Vierzehntes Kapitel

Aus libertärer Sicht


...

Es heißt, es hätte nie einen Krieg ohne Inflation gegeben. Wenn wir je ein Geldsystem erfinden könnten,  in dem eine Inflation verboten wäre, dann wäre die Wahrscheinlichkeit eines Krieges erheblich vermindert. Wenn wir für die Einmischung im Ausland immer sofort bezahlen müssten, dann würde es niemand tolerieren, dafür mit höheren Steuern aufkommen zu müssen. Die Einmischung in die inneren Angelegenheiten eines anderen Landes schafft die Bedingungen für einen bewaffneten Konflikt. Würden wir die Einmischung im Ausland gar nicht erst finanzieren, wäre es sehr viel weniger wahrscheinlich, dass wir in völlig unnötige und ohnehin nicht zu gewinnende Kriege verwickelt würden.

...
Das waren nun also ein paar Auszüge aus diesem äußerst informativen Buch. Ich hoffe auf ein Feedback eurerseits. Eine Sache wäre da noch - den Vorwurf des Antisemitismus bei der Kritik an der Fed. Ich möchte mich davon deutlich distanzieren und halte die Kritik an dem Fiat-Dollar-Standard für absolut gerechtfertigt. Ich bin nicht der Meinung, dass eine ganze Religion oder Menschengruppe für dieses System verantwortlich ist. Das wäre auch viel zu einfach gedacht. Zudem möchte ich betonen, dass nicht alle Menschen, die in diesem System tätig sind, automatisch Böses im Schilde führen. Der Vorwurf solcher Absolutismen ist meiner Meinung nach völlig fehl am Platz, denn wenn man sich mit dieser Thematik eingehender beschäftigt, so stellt man fest, dass es ganz unterschiedliche Gruppierungen gibt, die dieses System schützen und stützen. Diese Menschen auf eine bestimmte Gruppe zu reduzieren ist schlichtweg falsch.








Donnerstag, 8. Mai 2014

Gastbeitrag: Transhumanismus - Die größte Gefahr für die Menschheit?

Zum Gastbeitrag


Der Transhumanismus glaubt, dass die nächste Evolutionsstufe der Menschheit die Verschmelzung des Menschen mit Technologie ist. Eine neue Rasse von Cyborgs soll den Homo sapiens ablösen und das Leben im Universum auf eine neue Stufe heben. Was klingt wie Science-Fiction, ist vielleicht eine ernst zu nehmende Bedrohung für die nahe Zukunft und wird schon bald das Leben jedes einzelnen Menschen beeinflussen.



Transhumanismus - Die Zukunft gehört den Maschinen

Das Versprechen des Transhumanismus hat religiöse Ausmaße: In wenigen Jahren – vielleicht schon zwei Generationen - soll der Mensch mit den Maschinen verschmelzen und seine gebrechliche biologische Hülle abstreifen. Dieser Schritt zum Hybridwesen vollzieht den Übergang zur bewussten Selbst-Evolution in eine neue Spezies und bringt die lang ersehnte Befreiung von den Qualen, Mängeln und Begrenzungen eines biologischen Körpers: Tod, Krankheit, Makel - all das wird bald Vergangenheit sein. Wir werden sein wie Götter. Allmächtig, vollendet, unsterblich und unbegrenzt. Nun ja, zumindest eine kleine Elite von uns: Eine selbstgeschaffene Rasse, welche künftig die Vorherrschaft über diesen Planeten übernehmen wird, während der Homo sapiens ebenso aus der Geschichte des Universums getilgt wird, wie seine Vorgänger aus der Steinzeit.
Es klingt nicht bloß wie eine Religion, in vielerlei Hinsicht ist es eine. Es ist die kompromisslose Religion von Materialismus und Fortschrittsglaube, der ultimative Triumph des Menschen über die Natur. Die Erlösung des Menschen ist für den Transhumanismus nicht mehr eine spirituelle Frage, sondern eine technologische. Fest steht für die Transhumanisten: Nicht dem Menschen gehört die Zukunft, sondern den Gott-Maschinen. 


Ganz im Sinne Nietzsches ist der Mensch nur eine Brücke, gespannt zwischen dem Tier und dem Übermenschen, ein mangelhaftes Zwischenstadium der Evolution, welches durch genetische Manipulationen, technologische Implantate und künstliche Intelligenz endlich überwunden wird. Das Bewusstsein des Menschen emanzipiert sich von seiner stofflichen Hülle und geht ein in die grenzenlose Freiheit des kybernetischen Cyberspace.



Die technologische Singularität

Über das ganze Ausmaß des Einflusses der Transhumanisten und den aktuellen Stand dieser Entwicklung sind die wenigsten Menschen im Bilde. Tatsächlich diktiert die transhumanistische Agenda derzeit weltweit den wissenschaftlichen Betrieb, Milliarden von Dollar werden in entsprechende Forschungsprojekte investiert, teils dank aktivem Lobbyismus der Transhumanisten, teils durch eine kollektive Kulturstimmung des Fortschrittsglaubens, die sich vor allem in der Medizin sehr deutlich zeigt.  Schon bald, so hoffen Teile der Transhumanisten, erreicht diese Entwicklung die "technologische Singularität" - denjenigen Zeitpunkt, an dem Maschinen so intelligent werden wie Menschen und beide zu einer neuen Spezies verschmelzen. Das gesamte Wissen der Menschheit, insbesondere Gentechnik, Nanotechnologie, Neurologie und Kybernetik wird sich im Punkt der Singularität zur Geburt der neuen Über-Spezies vereinen:
„Die Singularität ist eine Zukunft, in der das Tempo des technologischen Wandels so schnell und weitreichend voranschreitet, dass die menschliche Existenz auf diesem Planeten irreversibel verändert wird. Wir werden die Macht unserer Gehirne, all die Kenntnisse, Fähigkeiten und persönlichen Macken, die uns zu Menschen machen mit unserer Computer-Macht kombinieren, um auf eine Art zu denken, zu kommunizieren und zu erschaffen, wie wir uns heute noch nicht vorstellen können.
Diese Verschmelzung von Mensch und Maschine, mit der plötzlichen Explosion der Maschinen-Intelligenz wird, im Verbund mit rasend schneller Innovation in den Bereichen der Gen-Forschung sowie der Nanotechnologie, zu einer Welt führen, wo es keine Unterscheidung mehr zwischen dem biologischen und dem mechanischen Leben oder zwischen physischer und virtueller Realität gibt. Diese technologischen Revolutionen werden es uns ermöglichen, unsere gebrechlichen Körper mit all ihren Einschränkungen zu überwinden. Krankheit, wie wir sie kennen, wird ausgerottet. Die menschliche Existenz wird einen Quantensprung in der Evolution durchlaufen. Wir werden in der Lage sein, zu leben solange wir wollen." erklärt Ray Kurzweil, einer der Vordenker der Transhumanisten.

Transhumanismus - die Religion der Elite

Was man zunächst kaum ernst nehmen kann, halten fachkundige Wissenschaftler entweder für die größte Chance oder aber für eine der größten Gefahren unserer Zeit. Denn es sind nicht bloß ein paar Science-Fiction-Spinner, die diese neue Religion vorantreiben, es sind vor allem Angehörige der internationalen Eliten. Unter den informierten Intellektuellen der Welt herrscht längst größte Sorge über den unaufhaltsam scheinenden Siegeszug der Transhumanisten. In Konferenzen, Uni-Seminaren und Feuilletons rund um den Globus werden die Gefahren der Bewegung diskutiert. Die breite Öffentlichkeit nimmt dies kaum wahr - zu phantastisch, zu abgehoben klingen die Ziele. Dabei hat es längst begonnen. Und selbst die erbittertsten Gegner halten die Bewegung mittlerweile für "nicht mehr aufzuhalten".
"Die Frage, welche Spezies diesen Planeten dominiert, wird die globale Politik in diesem Jahrhundert diktieren. Angesichts der Geschwindigkeit, mit der sich jene Technologien entwickeln, welche die Entstehung von "Artilects" - künstlichen Intelligenzen - möglich machen, ist es wahrscheinlich, dass die Menschheit in der Lage sein wird, Artilects zu konstruieren, die geistige Fähigkeiten besitzen, welche buchstäblich Billionen über Billionen mal über dem menschlichen Niveau liegen. Die Menschheit wird sich dann entscheiden müssen, ob sie die Nr. 2 Spezies auf dem Planeten werden möchte oder nicht", schreibt Hugo de Garis im Forbes Magazine - einem angesehenen amerikanischen Wirtschaftsblatt.
Die Singularity University - so etwas wie das ideologische Hauptquartier der heterogenen Bewegung - liegt im Silicon Valley direkt zwischen Google und der Nasa. Das spiegelt in etwa wieder, wo die Bewegung gesellschaftlich steht. Die Transhumanisten reiten auf der Welle des unerschütterten Glaubens an Fortschritt und Technologie. Geschickt bringen sie ihre Forschungsprojekte auf die Agenda von Universitäten und Konzernen, längst forscht man weltweit im Auftrag der Transhumanisten. Und jedes Jahr rückt die Bewegung ihren Zielen näher. Jetzt sind wir schon so nah, wie die meisten Menschen kaum ahnen würden.

Transhumanismus, die logische Fortführung der Evolution

Im Weltbild der Transhumanisten ist der Schritt vom Menschen zur künstlichen Intelligenz nichts weiter als die logische Fortführung der Evolution. Eine Seele gibt es für die Transhumanisten nicht, nur Nervensignale und Gene. Einen Gott auch nicht - zumindest noch nicht! wie Ray Kurzweil gern zu sagen pflegt.
Evolution ist für die Transhumanisten nicht die Evolution von Leben oder Bewusstsein, sondern von Information und ihrer Verarbeitung. Die Information hat sich von Atomen über DNA, zu Memen in Computern weiterentwickelt. Der Mensch sei nur eine organische Maschine, ein Vehikel für Information. Und nun sei der Zeitpunkt gekommen, an dem die Information ein besseres Vehikel findet: den Cyborg. Nachdem die Materie in Form des Menschen intelligent geworden ist, soll nun eine neue Form von Intelligenz und Bewusstsein entstehen, die künstliche Intelligenz, hervorgebracht durch den Menschen, der mit dieser neuen Form zu einem neuen Wesen verschmelzen wird. Technologie wird lernen, die Mechanismen der Natur zu verwenden, aber unendlich effizienter, schneller, und ohne die schwächliche Zerbrechlichkeit organischer Lebewesen.
Der Mensch, so glaubt der Transhumanismus, ist die erste Spezies, welche die Evolution der eigenen Spezies selbst in die Hand nimmt und steuert - und damit millionenfach beschleunigt.

Der Siegeszug der Technik

Derzeit verdoppelt sich die Rechenleistung von Computern alle 18 Monate. In etwa 6 Jahren werden Computer dem menschlichen Gehirn an Rechenpower weit überlegen sein. Im Jahre 2050 wird man ein Gerät, das die Rechenpower aller menschlichen Gehirne übertrifft für den Preis einer Waschmaschine erwerben können, macht Kurzweil die Entwicklung plastisch. Rechenpower ist freilich noch lange keine Intelligenz, aber allein die Möglichkeit alarmiert weltweit die Wissenschaft: Roboter und Computer übernehmen immer größere Bereiche unseres Lebens. Ob in der Fertigung, im Operationssaal oder beim Militär, Roboter sind allgegenwärtig. Wie viel Macht dürfen Computer haben? Wie weit darf man noch gehen bei militärischen Drohnen und intelligenten Waffensystemen, die immer mehr „Entscheidungen“ übernehmen sollen. Wie soll man auch in diesem Kontext mit dem möglichen Aufkommen von künstlicher Intelligenz umgehen? Welche Rechte haben intelligente Computer? Weltweit gibt es hochkarätige Konferenzen zu diesen Themen - denn all diese Fragen werden vielleicht schon in wenigen Jahren aktuell. 


Die Frage, ob eine Maschine überhaupt im menschlichen Sinne „intelligent“ sein kann, ist dabei an sich eine, die tiefe philosophische Fragen aufwirft.  Gotthard Günther wies dies schon 1963 mit dem Argument zurück, dass die Sprache der Maschinen von Menschen geschaffen ist und damit um eine logische Dimension unter der Sprache des Menschen liegt. Das Maschinenbewusstsein könne niemals seinen eigenen Schöpfungsprozess hintersteigen, meint Günther. Es spiegele sich in diesem Verhältnis zwischen Mensch und Maschine, das Verhältnis von Mensch zu Gott: Auch der Mensch sei mit der ihm eigenen Logik nicht in der Lage, seinen eigenen Schöpfungsprozess zu verstehen. 


Allerdings hat Günther seine Rechnung dabei vielleicht ohne die neurologischen Schaltkreise gemacht, mit welchen das Gehirn des Menschen nachgebaut werden soll – oder den Bio-Computern, die etwa die Gehirne von Ratten als Hardware verwenden. Ob solche Rechner in Zukunft noch mit Algorithmen funktionieren, oder ganz anders, das weiß heute niemand.

Der Plan der Transhumanisten

Aber für die Transhumanisten ist das alles nur Vorgeplänkel. Kybernetik, Neurologie, Robotik, Nanotechnologie, Gentechnik - es ist die Fusion all dieser Strömungen zu einem übergeordneten Ziel, die den Plan der Transhumanisten wahrwerden lassen soll. Die Entwicklung ist aus Sicht des Transhumanismus in vier groben Schritten zu denken:
  1. Technologie wird zum alltäglichen menschlichen Begleiter. Nach Computern und Smartphones werden Hausroboter zur Normalität. Die Technologie rückt immer näher an den Menschen heran, intelligente Maschinen und die Kommunikation mit Robotern und künstlicher Intelligenz (z.B. Kundenberatung) immer normaler.
  2. Dann wird der Mensch beginnen, Technologie direkt in seinen Körper einzubauen und Schnittstellen zwischen dem Gehirn und Computern zu schaffen. Dies wird seine Fähigkeiten drastisch erweitern. Zwei Rassen werden auf der Erde existieren: Solche Menschen, die Zugang zu der neuen Technologie haben und sich damit zum Mensch 2.0 updaten, und der Homo sapiens, welcher der neuen Rasse hoffnungslos unterlegen sein wird. Der Cyberspace und die Realität verwischen, da die Computer-Gehirn-Schnittstelle Reize simuliert als würden sie tatsächlich erlebt.
  3. Der neue Mensch 2.0 besteht irgendwann zu gleichen Teilen aus organischen und technischen Elementen. Das Leben des Menschen wird drastisch verlängert. Seine Fähigkeiten steigern sich ins unermessliche. Zuletzt wird es möglich, ein organisches Gehirn in einen Cyborg zu verpflanzen, wodurch der Mensch nach dem Glauben der Transhumanisten den Körper wechseln kann und damit unsterblich wird.
  4. Dann gelingt es, eine künstliche 1:1-Kopie eines menschlichen Gehirns zu erzeugen. Es wird möglich, den gesamten Inhalt des Gehirns und seine Struktur in einen Computer zu downloaden. Menschen leben dann als "intelligente Software" im Cyberspace oder in einem Cyborg-Avatar ihrer Wahl. Der Mensch kann beliebig die Körper wechseln. Es gibt keinen Unterschied mehr zwischen Realität und Cyberspace. Der Mensch kann mit seinem Bewusstsein in den Cyberspace reisen und dort Welten erschaffen und beherrschen. Der Mensch hört auf zu existieren, Evolution geschieht durch gezielte Schöpfung neuer Intelligenzen.
(Einzelheiten der Ziele sind Ray Kurzweils Aufsatz: "Reinventing Humanity - The future of Machine-Human Intelligence" oder auch der Web-Seite 2045.com zu entnehmen, welche die Ziele der Transhumanisten in Russland vertritt.)

Exponentielle Beschleunigung

Wie kommt es, dass kaum jemand diesen Plan ernstnimmt, während uns vielleicht gerade mal 20 Jahre von seiner Umsetzung trennen? Ray Kurzweil erklärt es: Es liegt daran, das kaum jemand versteht, was exponentielles Wachstum bedeutet.


"Wie ist es möglich, das wir so nah vor diesem enormen Wandel stehen und ihn nicht sehen können? Die Antwort ist die Beschleunigung der technologischen Innovation. Wenn sie in die Zukunft denken, berücksichtigen nur wenige Menschen die Tatsache, dass der menschliche wissenschaftliche Fortschritt exponentiell verläuft.

In anderen Worten, das 20. Jahrhundert hat sich allmählich beschleunigt bis zum heutigen Tempo des Fortschritts, die gesamten Leistungen des letzten Jahrhunderts entsprechen nur etwa 20 Jahren Fortschritt in der Geschwindigkeit vom Jahr 2000. Nun machen wir gerade nochmal "20 Jahre" dieses Fortschritts in nur noch 14 Jahren (bis 2014), und dann das gleiche wieder in nur sieben Jahren. Wir werden im 21. Jahrhundert nicht 100 Jahre technologischen Fortschritts erleben, wir werden 20.000 Jahre Fortschritt bezeugen (am heutigen Fortschritt gemessen), oder Fortschritt, der etwa 1000 mal größer ist als das, was das gesamte zwanzigste Jahrhunderts erreicht hat."
Dabei ist anzumerken, dass das 20. Jahrhundert uns von Pferdewagen zu Magnetschwebebahnen und von Dampfmaschinen zu Smartphones gebracht hat - eine unvorstellbare Entwicklung. Das was nun kommt, wird 1000 Mal schneller sein. Ab einem bestimmten Punkt wird der Fortschritt so schnell sein, dass das menschliche Gehirn ihn nicht mehr begreifen kann. Nur die optimierten Menschen werden mit diesem Tempo noch schritthalten können.

Forschen für die Maschinen-Götter

Forschungsmittel für diesen grotesken Plan lassen sich leicht besorgen. Gerade erst hat die EU den größten jemals für ein Forschungsprojekt verteilten EU-Etat von einer Milliarde an Steuergeldern in das transhumanistische "Human Brain Project" gesteckt - einer der wichtigsten Bausteine: die Simulation eines kompletten menschlichen Gehirns als Computerschaltkreis durch die Nachbildung der neuronalen Struktur des menschlichen Gehirns. In etwa 10 bis 20 Jahren soll das menschliche Gehirn fertig sein. Die Rechenpower von Computern hat die des Gehirns bis dahin vielleicht bereits um das millionenfache überflügelt.


Die Robotik, insbesondere die Prothetik soll herausfinden, wie man Maschinen direkt an Nerven anschließen kann, um den Menschen mit künstlichen Gliedmaßen und Sinnesorganen zu erweitern. Forschungsgelder gibt es dafür von Medizin und vom Militär in Milliardenhöhe. Die Technik ist bereits so gut wie ausgereift.

Die Entwicklung von Haushalts-Robotern schreitet ebenfalls schnel voran. Schon bald sollen sie in Altenheimen, als Haushalts-Hilfe und als Spielkameraden für Kinder zum Einsatz kommen. IBM hat prognostiziert, dass solche Roboter in bereits fünf Jahren fühlen, sehen, hören, schmecken und riechen können.

Andere Bereiche der Robotik befassen sich mit Bio-Hybrid-Systemen. Hier werden Zellen mit elektronischen Schaltkreisen verbunden - der erste Schritt zum halblebendigen Cyborg-Roboter.
Die Neurologie soll helfen, das Gehirn zu verstehen und ein Gehirn-Computer-Interface zu bauen. Ein solches gibt es bereits, es wurde an Tieren erfolgreich getestet und wird nun erstmals in Menschen verpflanzt. „In Zukunft wird man sein Hirn durch Gehirnimplantate an sogenannte Mind-Machine-Infaces wie an einen PC anschließen können und damit Maschinen steuern. So werden wir auch innerhalb kürzester Zeit Wissen downloaden können. […] Niemand weiß, was das dann für ein Wissen sein wird, ob es überhaupt ein Wissen im bisherigen Sinne sein wird [...]und was dabei mit dem „Ich“ des Menschen geschieht.“ erklärt Dr. Dr. Dr. Roland Bendikter. (EnlightenNext Frühling 2013)
Die Nanotechnologie macht immer kleinere Schaltkreise möglich - und Roboter, die so klein sind, dass sie in der menschlichen Blutbahn leben können. Ray Kurzweil fasst die Entwicklung wie folgt zusammen:
"Die Revolution der Nanotechnologie wird uns ermöglichen, unseren Körper und unsere Gehirne Molekül für Molekül neu zu gestalten - weit über die Grenzen der Biologie hinaus. Der Einsatz von künstlicher Intelligenz innerhalb unseres biologischen Systems wird für die Menschheit einen evolutionären Sprung nach vorne markieren, aber es bedeutet auch, dass wir mehr  "Maschine" sein werden als "Mensch". Milliarden von Nanobots werden durch die Blutbahnen in Körper und Gehirn reisen. Sie werden Krankheitserreger zerstören, DNA-Fehler korrigieren, Giftstoffe beseitigen, und viele andere Aufgaben erfüllen, die unser körperliches Wohlbefinden steigern. Als Ergebnis werden wir in der Lage sein, auf unbestimmte Zeit zu leben, ohne zu altern.


Trotz des wunderbaren Zukunftspotenzials der Medizin wird Unsterblichkeit nur erreicht werden, wenn wir unsere biologischen Körper vollkommen ablegen. Während wir uns in Richtung einer Software-basierten Existenz bewegen werden, gewinnen wir die Fähigkeit "Backups" von uns anzulegen (Speicherung der Muster unseres Wissen, unserer Fähigkeiten und Persönlichkeit in einer digitalen Form) wodurch wir virtuelle Unsterblichkeit erlangen. Dank Nanotechnologie werden wir einen Körper haben, den wir allein durch unseren Willen nicht nur verändern, sondern in völlig neue Formen verwandeln können. Wir werden um 2020 in der Lage sein unsere Körper in full-immersion Virtual-Reality-Umgebungen so zu verändern und etwa um 2040 auch in der physischen Realität."

Bislang läuft alles wie am Schnürchen.

"Die Konsumenten werden um den Chip betteln"


Einer der wichtigen Bausteine ist auch die Entertainment-Elektronik. Durch eine langsame Gewöhnung der Menschen an Technologie soll die Akzeptanz in der Bevölkerung gesteigert und auch konservative Zweifler auf Linie gebracht werden. Entertainment-Anwendungen bringen nicht nur Milliarden für die weitere Entwicklung, sondern sind auch hervorragende Tests für viele neue Technologien.


Die Smartphones waren der erste Schritt in dieser Entwicklung. Nun wird die Augmented Reality folgen: Geräte, welche die Technologie noch näher an den Körper bringen und die Grenze zwischen Technik und Mensch langsam verwischen. Googles Glasses oder diverse Startups mit Augmented-Reality-Kontaktlinsen sind solche Technologien, welche zum Beispiel das natürliche Sichtfeld des Menschen mit digitalen Anzeigen überlagern. Der Computerbildschirm ist dann kein Ding mehr, sondern integraler Bestandteil unserer Wahrnehmung.

Der nächste Schritt sind dann die Implantate. Noch scheint kaum vorstellbar, dass in naher Zukunft - und wir reden von vielleicht 5 Jahren - Menschen es zulassen werden, das Computerteile in ihre Körper transplantiert werden. In der hervorragenden Arte-Dokumentation "Welt ohne Menschen - Transhumanismus: Chance oder Albtraum?" kann ein transhumanistischer Vordenker darüber nur lachen: Die Menschen würden wie für das I-Phone und die Playstation vor den Läden kampieren und darum betteln, ein Implantat zu bekommen, sagt er voraus. Denn die ersten Konsumenten-Implantate werden Entertainment-Implantate sein. Und Menschen sind verrückt nach solchem Zeug.
Von da bis zur Computer-Hirn-Schnittstelle ist es dann nicht mehr weit. Und spätestens damit ist der Bann gebrochen.

Der Krieg der Spezies

Unvermeidbare Folge einer solchen Entwicklung wäre, dass die Menschheit sich schon bald in zwei oder mehr Spezies aufteilen wird: Die normalen Menschen und die Menschen 2.0. Es wird vor allem die Elite sein, die über den Zugang zu den neuen Technologien verfügt und durch diese technischen Erweiterungen den gewöhnlichen Menschen in Intelligenz, Sinnesorganen, Körperkraft, Lebensdauer und Macht um ein Vielfaches überlegen sein werden. Eine Herrenrasse ist geboren - und eine Abfall-Rasse, die in der Gesellschaft keine signifikante Rolle mehr spielen wird und nur noch für niedere Arbeiten zu gebrauchen ist.
Hugo de Garis postuliert in seinem bereits zitierten Aufsatz "The Coming Artilect War", dass sich die Menschheit schon vor dieser Entwicklung auch ideologisch in drei Gruppen zerteilen wird: Die Cosmisten wollen Maschinen-Götter erschaffen, die Terraner kämpfen für eine Erhaltung der Natürlichkeit und des Homo Sapiens und als dritte Gruppe sieht er die Cyborgisten/Transhumanisten, die hoffen, sich selbst in Gott-Maschinen zu verwandeln. Sein Szenario für die nahe Zukunft ist nicht rosig:
"Stellen Sie sich eine Welt vor, in der die Cyborgs sich zunehmend verbreiten. Eine junge Mutter, die gerade entbunden hat, kann nun wählen, dem neugeboren Baby-Gehirn ein Körnchen artilectischen Salzes hinzuzufügen - die Umwandlung in einen Artilect (Artifical Intellect). Es steckt so viel Rechenleistung in diesem Sandkorn, dass sie ihr Baby effektiv "getötet" hat. Es ist nun kein Mensch mehr, sondern ein Artilect in menschlicher Verkleidung. Stellen Sie sich vor, wie ältere Eltern beobachten müssen, wie ihre erwachsenen Kinder sich in Cyborgs verwandeln, so sehr, dass ihre Kinder nicht mehr menschlich sind. Die Eltern werden fühlen, sie hätten ihre Kinder verloren. Der Aufstieg der Artilects und der Cyborgs wird zutiefst verstörend auf die menschliche Kultur wirken, und tiefe Entfremdung und Hass hervorrufen.
Kurzweil behauptet, dass, wenn überhaupt ein Krieg zwischen den Terranern und den anderen Gruppen stattfindet, dann wäre es eine schnelle ungleiche Schlacht. Die weitaus überlegene Intelligenz der Artilecten würde die Terraner schnell besiegen."
Das ist sicher eine drastische und ziemlich futuristische Sichtweise, aber nicht wenige Menschen teilen im Kern ähnliche Befürchtungen. Das Zeitfenster für den Menschen, diese Entwicklung zu stoppen ist nicht groß. William Joy, Mitgründer von Sun Microsystems und Gegner des Transhumanismus schreibt in seinem Aufsatz “Why The Future Doesn’t Need Us":
"Seit ich in die Entwicklung neuer Technologien involviert bin, hat ihre ethische Dimension mich besorgt, aber es war erst im Herbst des Jahres 1998, dass mir schreckhaft bewusst wurde, wie groß sind die Gefahren sind, vor denen wir im 21. Jahrhundert stehen. […] Gewöhnt an das Leben mit fast routinemäßigen wissenschaftlichen Durchbrüchen haben wir noch nicht begriffen, dass die größten Technologien des 21. Jahrhunderts - Robotik, Gentechnik und Nanotechnologie - eine andere Bedrohung darstellen als die Technologien, die vor ihnen kamen. Insbesondere Roboter, gentechnische Organismen und Nanobots haben einen gefährlichen Verstärkungsfaktor: Sie können sich selbst replizieren.


Die Unfähigkeit, die Folgen unserer Erfindungen zu verstehen, während wir noch in der Entrückung von Entdeckung und Innovation schwelgen, scheint ein häufiger Fehler von Wissenschaftlern und Technologen zu sein [...] Wir werden in dieses neue Jahrhundert geschleudert ohne Plan, ohne Kontrolle und ohne Bremsen. Sind wir schon zu weit gegangen, um den Kurs noch zu ändern? Ich glaube nicht, aber wir versuchen es ja auch gar nicht - noch nicht - und die letzte Chance, um die Kontrolle wieder zu erlangen, nähert sich sehr schnell.“

Roland Benedikter teilt ähnliche Befürchtungen: 


„Durch die Verschmelzung von menschlichem Bewusstsein mit Technologie verändert sich sowohl die Technologie als auch der Mensch. Und die Frage ist, ob dabei die Technologie menschlicher oder der Mensch technischer wird. Diese Frage ist keine rein philosophische mehr […] Die Technik bleibt nicht länger draußen und damit das Objekt des Menschen. Sondern sie dringt in seinen Körper ein, verbindet sich mit ihm, wird zu einem Teil seines Subjekts. Das ist das Neue, das es so bisher in der Geschichte noch nicht gab.[...] Ich bin sehr skeptisch gegenüber der Geschwindigkeit und der Art und Weise, wie das geschieht. Ich bin für Fortschritt, aber ich befürchte, dass ein Großteil der heutigen Transhumanisten eigentlich keine Ahnung hat, was er mit dem Menschen eigentlich tut.“



Die Metaphysik des Transhumanismus

Dass es sich beim Transhumanismus, nicht um reine Wissenschaft, sondern um eine fanatische Religion handelt, ist kaum zu übersehen. Es geht um die Entstehung eines Volkes von auserwählten Gott-Menschen, die in den Cyber-Himmel aufsteigen, wo sie als allmächtige und unsterbliche Götter leben, Universen erschaffen, sich mühelos durch Raum und Zeit bewegen und weder natürlichen noch ewigen Gesetzen unterworfen sind. Karma, Wiedergeburt, Sünde und Ethik gelten für diese Wesen nicht mehr, sie haben sich abgekoppelt.
Es ist der Triumph der Materie über Gott, der luziferianische Weg zur Erleuchtung, Beweis für die Allmacht des menschlichen Egos, das sich Gott ebenbürtig macht. Es ist die Verkehrung aller spirituellen Verheißungen in den pursten Materialismus. Das Fleisch ist überwunden, das ewige Leben erreicht, der Geist befreit - als Programm in einer Maschine.
Das Transhumanismus ist die materialistisch-mechanistische Antithese zur traditionellen Spiritualität, mit all ihren Komponenten. Zum Beispiel glaubt Kurzweil, dass durch die Verschmelzung von Mensch und Maschine, letztlich die ganze Materie des Universums zu Bewusstsein erwachen wird. "Das Erwachen des Universums" nennt er diese Phase seiner Evolutionstheorie, in welcher "Die Muster von Energie und Materie im Universum durchdrungen werden von intelligenten Prozessen und Wissen." Der Mensch trage durch seine Verwandlung zum Cyborg das Bewusstsein in die Materie hinein und erwecke damit das ganze Universum. Er wird durch diesen Schritt nicht nur gottgleich, sondern auch zum Erlöser der gesamten Schöpfung.
Solche Thesen werden auch in der New-Age-Bewegung zum Teil aufgenommen. Wozu hätte der Mensch wohl sein technologisches Wissen erlangt, wenn nicht, um selbst Herr seiner Evolution zu werden und den Menschen in eine neue Spezies zu verwandeln? Und könnte es nicht der Auftrag des Menschen sein, Bewusstsein in die Materie zu bringen? Warum sollte die Erweiterung des Bewusstsein nicht auch die Technologie mit einbeziehen? Ist dies nicht die ultimative Inkarnation der Seele in Materie, die ultimative Transzendenz? Der Transhumanismus bietet hier reichlich Stoff zu philosophischer Kontemplation.

Der Irrtum der Transhumanisten

Dass der Mensch sich mithilfe technischer Updates, Gentechnik und anderer Techniken selbst in eine neue Spezies verwandeln wird, das steht wohl nicht mehr in Frage. In wenigen Jahren, wohl kaum mehr als 10, werden wahrscheinlich zwei Spezies auf diesem Planeten wohnen.
Die offene Frage freilich bleibt, ob es wirkliche künstliche Intelligenz jemals geben kann. Was passiert, wenn man ein künstliches Gehirn einschaltet, das weiß niemand. Kurzweil glaubt, es würde lernen wie ein kleines Kind - vorausgesetzt, man simuliert äußere Reize. Aber wird es denken? Wird es ein Ich haben? Ist das menschliche Ich, ist Intelligenz wirklich nur ein Epiphänomen neuronaler Schaltkreise? Und wenn man den Gehirn-Inhalt eines Menschen auf zehn Roboter überträgt, wer ist dann der angeblich unsterbliche Mensch? Für die Transhumanisten ist unser Selbst nur Information - ihnen reicht die Unsterblichkeit als Software.
Dahinter verbirgt sich nicht weniger als die Frage nach der menschlichen Seele. Nicht nur für Mystiker, auch für viele Hirnforscher allerdings ist die Vorstellung, dass „Ich“ des Menschen wäre nicht mehr als sein Gehirn ein verrückter Irrtum. Künstliches Bewusstsein scheint ihnen sowohl aus wissenschaftlicher als auch aus spiritueller Sicht eine Unmöglichkeit zu sein. Eine Form von Intelligenz mag denkbar sein, jedoch wird es wohl eine deterministische bleiben, reine Berechnung, ohne das Raten und Vermuten, ohne Ideen, ohne Intuition und plötzliche Einfälle. Oder vermag die neuronale Struktur eines Kunst-Gehrines und digitale DNA doch das Bewusstseinsfeld des Universums anzuzapfen? Lassen sich digitale Seelen erzeugen? Immer wieder führen uns diese Fragen an die zentralen spirituellen Kontemplationen: Was ist Bewusstsein? Was ist eine Seele? Was ist das Ich?
Ich glaube es nicht. Der Transhumanismus offenbart sich für mich als eine Form von Wahnsinn, angetrieben von Allmachtsphantasien und der Angst vor dem Tod. Der Transhumanismus wird an der Realität scheitern, dass er in seinem materialistisch-mechanischem Weltbild nicht begreifen will, was das Leben, was Bewusstsein wirklich ist. Dieses Leben, das trotz allen Fortschritts für unsere Wissenschaft nämlich noch immer ein völliges Rätsel ist, dieses Leben, dass der Entropie trotzt und immer komplexere, bewusstere Formen annimmt. Der Transhumanismus ist die ultimative Sackgasse des Materialismus, seine ins Groteske verzerrte Fratze.
Aber schon jetzt hat er Millionen von Anhängern - und nur wenige Menschen setzen sich wirklich damit auseinander, wie unmittelbar und zeitnah uns viele dieser Entwicklungen schon bald betreffen werden. Ebenso selbstverständlich wie das Smartphone werden auch alle zukünftigen Entwicklungen in die Normalität übergehen. Bald werden Eltern konservativ sein, wenn sie ihren Kinder zu Weihnachten nicht das neueste Implantat einsetzen lassen.
Es ist meine Hoffnung, dass der Mensch entweder rechtzeitig geistig reift, um diese Entwicklung noch zu beenden, oder aber das andere Faktoren, wie Umwelt oder Wirtschaft, sie glücklicherweise unmöglich machen. Vielleicht ist der Transhumanismus das letzte Aufbäumen des Materialismus, vielleicht werden ja gerade die Erkenntnisse aus diesem wahnwitzigen Versuch ein neues Kapitel aufschlagen. Vermutlich ist dies die Hoffnung von Menschen wie dem Dalai Lama, der sich auch für den Transhumanismus einsetzt.
Ich jedenfalls bin ein Terraner.

Dienstag, 6. Mai 2014

Vegetarismus

Hallo liebe Leute, dieser Post handelt von meinem Dasein als Vegetarier. Wie viele von euch bereits wissen, habe ich mich im Juli 2010 dazu entschlossen komplett auf Fleisch und Fisch zu verzichten. Ich werde in diesem Beitrag meine Beweggründe darstellen und aufzeigen, welche Aspekte mich und viele weitere Millionen Menschen auf der Welt dazu bewegt haben diesen Schritt zu wagen. Folgende Punkte sind für meinen Wandel zum Vegetarismus ausschlaggebend:

  • Massentierhaltung (Leid der Tiere, Antibiotika-Einsatz)
Wenn ihr der Meinung seid, dass Massentierhaltung oder das Quälen und/ oder Töten von Tieren in Ordnung sei, dann bitte ich euch dieses Video anzuschauen und eure Meinung nochmals zu überdenken: 


Hinzu kommt der folgenreiche Einsatz von Antibiotika als Nahrungsergänzungsmittel, so dass die auf einem äußerst kleinen Raum "lebenden" Tiere resistent gegen Krankheiten sind. Hierdurch wird auch der Organismus der Menschen weiter belastet und nachhaltig geschädigt. Im Folgenden Video wird das sehr anschaulich erklärt:



  • Fleischverzicht als Lösung des Welthungerproblems

Bei diesem Punkt werden sich einige sicherlich fragen, was denn das eine mit dem anderen zu tun hat. Die Tiere, vor allem die in Massentierhaltung leben, brauchen Nahrung. Diese Nahrung wird nur produziert, damit diese Tiere gemästet werden. Wenn man bedenkt wie viel Fleisch auf der Welt (vor allem in den USA und Europa) gegessen wird, dann fällt es einem nicht schwer sich vorzustellen, wie viel Nahrung man produzieren muss, um diese Tiere zu mästen.

"In den Entwicklungsländern werden große Flächen, unter anderem auch Regenwald, gerodet, einerseits als Weidefläche für die Tiere selbst und andererseits als Anbaufläche für die Herstellung von Futtermitteln. Auf der gleichen Fläche können entweder 50 Kilogramm Fleisch oder 6000 Kilo Karotten, 4000 Kilo Äpfel oder 1000 Kilo Kirschen erzeugt werden.



Außerdem ist die tierische Landwirtschaft in Deutschland einer der größten Wasserverbraucher. Mit dem Wasserverbrauch zur Erzeugung von einem Kilo Fleisch könnte man ein ganzes Jahr lang täglich duschen. 36 Prozent des weltweit produzierten Getreides und 70 Prozent der Sojaproduktion gehen in die Fleischproduktion." (Quelle: www.planet-wissen.de)

10 Kilogramm Getreide und 15 000 Liter Wasser werden benötigt um 1 Kilogramm Steak zu produzieren!   Lasst euch mal diese Zahlen in Zeiten der Rohstoff-, Wasser- und Energieknappheit auf der Zunge zergehen! 


  • Fleischkonsum als Klimakiller (Methanausstoss, Rettung der Regenwälder, Verschwendung natürlicher Ressourcen)
"Nutztiere" stoßen Methan aus und tragen somit einen nicht unwesentlichen Teil zur Erderwärmung und dem Klimawandel bei.

"Würde der globale Fleischkonsum ab 2015 innerhalb von 40 Jahren auf weniger als ein Drittel reduziert, würden einer Modellsimulation zufolge die Lachgas- und Methanemissionen der Landwirtschaft unter das Niveau von 1995 sinken." (Quelle: Wikipedia)

Hinzu kommt die großflächige Abholzung von Regenwäldern - vor allem in Südamerika. Die freigewordene Fläche wird für sogenannte Monokulturen verwendet, wobei nur eine Pflanze angebaut wird. Dies führt zu zahlreichen Problemen für die örtliche Bevölkerung, die Umwelt und das Klima allgemein - wie im folgenden Video aufgezeigt wird:



Die Crux dabei ist, dass Monokulturen keinen natürlichen Anbei ermöglichen, da die Pflanzen in so einer Kultur stark anfällig für Schädlinge ist. Deshalb müssen bei Monokulturen sehr viele Pestizide gespritzt bzw. versprüht werden, so dass die Pflanzen nicht sterben. Dabei hat die Natur in vielerlei Hinsicht gezeigt, was die bessere Alternative ist - nämlich die biologische Vielfalt. Im natürlichen Gleichgewicht - welches über Jahrmillionen entstanden ist - bilden Lebewesen (Pflanzen, Pilze, Tiere, usw.) Symbiosen. Deshalb ist beispielsweise ein Regenwald von Natur aus reich an der vielfältigen Flora und Fauna.


  • Gesundheit
Hierbei beziehe ich mich auf die übertragenen Antibiotika und Schadstoffe, die durch den Verzehr von Fleisch einhergehen. Wie bereits erwähnt ist weder der Einsatz von Pestiziden für das Futter von Nutztieren noch der Einsatz von Medikamenten in der Massentierhaltung unproblematisch. Hinzu kommt die Tatsache, dass Tieren noch weitere Aufputschmittel verabreicht werden, damit sie höhere Erträge - zum Beispiel in der Milchproduktion - bringen.



  • Weltfrieden

Dieser Punkt ist sicherlich strittig, doch spielt er für mich eine große Rolle. Wenn sich der Mensch es sich nicht vorstellen kann vegetarisch zu leben, dann wird er auch immer diese Bestie, dieser weiterentwickelte Affe, bleiben der er ist. Er wird weiterhin keine Rücksicht auf seinesgleichen nehmen, wenn er nicht einmal die Güte besitzt, trotz vielfältiger Alternativen weiterhin das Leben von weniger hochentwickelten Lebewesen auszubeuten. Passend dazu habe ich zwei Zitate ausgewählt, welche diesen Standpunkt verdeutlichen:

"Vegetarismus gilt als Kriterium, an welchem wir erkennen können, ob das Streben des Menschen nach moralischer Vollkommenheit ernst gemeint ist."

(Leo Tolstoi)


"Solange es Schlachthäuser gibt, wird es auch Schlachtfelder geben."

(Leo Tolstoi)


  • Recht der Tiere auf Leben
Dieser Punkt befasst sich mit der grundlegenden Ethik, die sich mit dem Töten und Verzehren von Tieren beschäftigt. Jedes Lebewesen hat das uneingeschränkte Recht auf Leben. Diese Aussage bietet keinen Verhandlungsspielraum, sondern sollte in jeder Kultur, jeder Religion und jeglichen ideologischen Aspekten eine grundlegende Basis bilden. Der Mensch als Teil der Natur darf sich nicht als Gott über die Tiere stellen, denn dies stellt eine klare Vormachtstellung dar. Im Grunde sind Tiere und Menschen Bewohner desselben Planeten und sollten dementsprechend gleichgestellt sein.



  • Verantwortung des Menschen

Sicherlich ist es so, dass der Mensch schon immer Fleisch gegessen hat. Es ist auch klar, dass der Konsum von Fleisch zur Entwicklung des menschlichen Gehirns und der damit einhergehenden Intelligenz beigetragen hat. Weiterhin ist es auch ein Fakt, dass die Natur an sich "grausam" ist und laut Evolutionstheorie die eiserne Regel "Survival of the fittest" gilt, d.h. der Stärkere bzw. der am besten Angepassteste überlebt. Aber muss denn diese Regel weiterhin Bestand haben? Sind wir denn in irgendeiner Form als Spezies Mensch von einer anderen Spezies bedroht? Ich vertrete die Meinung, dass der Mensch durch seine geistigen Fähigkeiten eine gewisse Verantwortung für den Planeten und seine Bewohner trägt. Dieser Planet gehört uns nicht! Wir haben nicht das Recht die anderen Bewohner dieses Planeten so brutal und pervers auszubeuten! Im Gegenteil: wir müssen die biologische Vielfalt und die diversen Ökosysteme schützen, denn wir sind selbst ein Teil davon. Wenn wir so weitermachen wie bisher, dann werden uns zukünftige Generationen niemals verzeihen was wir der Erde und den restlichen Bewohnern zugefügt haben - falls es diese Generationen überhaupt geben sollte.


  • Vielfältigere Ernährung

Dies ist ein Punkt, den man nur allzu gerne unterschätzt. In meinen "Fleischzeiten" habe ich mich recht eintönig ernährt. Man hat nicht viel Zeit und haut sich eben schnell ein Steak vom Discounter oder ein Cordon Bleu in die Pfanne. Oftmals wenn meine Mutter gekocht hat und es kein Fleisch jedweder Art gab, so war mein Kommentar stets: "Das ist doch kein Essen, davon wird man nicht satt!".
Diese Zeiten sind nun vorbei, denn ich habe nicht nur Spaß am Kochen selbst gefunden, was ich früher nicht ausstehen konnte, ich habe nun auch die vielfältigen Möglichkeiten einer fleischlosen Ernährung entdeckt. Der Mensch an sich ist eben kein Fleischfresser, sondern ein Allesfresser.


Fazit

Jedem Mensch sollte frei stehen wie er lebt, was er denkt und wie er sich ernährt. Jedoch darf man nicht so arrogant sein und zu vergessen sich - sowie den allgemeinen Konsens - zu hinterfragen. Falls dir die Natur bzw. Umwelt am Herzen liegt, so hast du die schmerzfreie, einfache und moralisch weise Möglichkeit auf den Verzehr von Fleisch zu verzichten. Natürlich gibt es Menschen, die nicht wollen, dass du mit deinem Fleischkonsum aufhörst. Deswegen manipulieren sie dich in der Werbung, in der Schule und durch wissenschaftliche Forschungen und Studien - welche oftmals besagen, dass der Konsum von Fleisch eine Notwendigkeit darstellt. Ich will auch kein Moralapostel sein, denn auch der Verzehr von Gemüse ist alles andere als gesund oder ökologisch sauber. Denn wenn man nicht gerade autark lebt, dann beschafft man sich gespritztes und ebenfalls Pestizid-verseuchtes Gemüse aus weit entfernten Teilen der Welt in einer Plastikverpackung im Supermarkt. Auch diesen Zustand finde ich nicht erstrebenswert.

Jedoch minimiert man durch den alleinigen Verzicht von Fleisch eine große Anzahl an Tötungen und Leid auf dieser Welt. Deshalb kann mein Appell nur lauten: Informiert euch! Es gibt eine Masse an Informationen zu diesem Thema. Vergegenwärtigt euch die ökologischen Probleme unserer Welt! Lasst euch nicht von dogmatischen Idealen blenden! Lasst euch nicht einreden, dass ihr allein nichts ändern könntet! Und wie ihr das könnt! Der Verzicht auf diesen Wahnsinn ist nur ein kleines Beispiel! In zukünftigen Beiträgen werde ich versuchen zusammenzustellen, was der einzelne Mensch an sich und seinem Lifestyle verändern kann, um ein positives Zeichen in dieser negativen Zeit zu setzen!